Schach spielen und fürs Leben lernen

Urs Odermatt spielt mit seinen Schülern seit 20 Jahren Schach. Auf diese Weise bereitet er sie auf das Leben nach der Schule vor.

von Martina Meienberg

"Schach darf sich nicht nur auf dem Brett abspielen", sagt Urs Odermatt, Realschullehrer in Steinhausen. Seit 20 Jahren integriert er das Spiel mit den Königen und Türmen erfolgreich in seinen Unterricht. Beim Schachspielen werde das soziale Verhalten geschult, sagt der erfahrene Pädagoge. "Die Schüler lernen dabei, Regeln einzuhalten, ihren Gegner zu akzeptieren und auch gewinnen und verlieren zu können". Schach erziehe die Schüler zur Vorsicht, zur Ausdauer und zur Voraussicht, sagt Odermatt.

Koryphäen zu Gast

Das Schachprojekt existiert bereits seit 20 Jahren. Damals sei er im Kopierraum des Schulhauses auf ein Schachbrett gestossen, erzählt Urs Odermatt.
Bereits tags darauf bastelte er mit den Schülern ein Schachbrett und Figuren aus Karton. Seither ist viel geschehen. Urs Odermatt gründete die Schul- und Jugendschachgruppe Steinhausen. Bis 1998 organisierte er regelmäßig Turniere und trainierte mit den Schülern, teils auch im Unterricht. Auch verschiedene Schachkoryphäen waren seither in seinem Schulzimmer zu GAst, darunter der Grossmeister Viktor Kortschnoi.
Zwar organisiert der Realschullehrer heute aus finanziellen und zeitlichen Gründen keine Turniere mehr; innerhalb des Schulhauses laufen aber weiterhin Projekte. So werden Odermutts Oberstufenschüler derzeit einmal wöchentlich von einer zweiten Primarklasse besucht. Bei diesen Treffen werden die jüngeren von den älteren Schülern in die Geheimnisse des Schachspiels eingeführt.
Marco Hunziker, Schüler von Urs Odermatt, erklärt die Funktion der Schachfiguren, mit welchen während des Unetrichts gearbeitet wird. "Die Schachfiguren sind flach, sodass wir sie aufeinander legen können, um die Spielzüge zu analysieren". Die Figuren sind so konzipiert, dass sie symbolisch zeigen, auf welche Weise sich eine Figur auf dem Brett fortbewegen darf.

Nicht alle mögen Schach

Marco spielt schon lange Schach. Es gibt aber auch Schüler, die keinen Zug kennen, wenn sie in Obermatts Klasse kommen. Und es gibt jene, denen das Spiel nicht gefällt. Auf die Frage, ob es denn für diese keine Qual sei, wöchentlich Schach zu spielen, entgegnet Marco: "Französisch ist manchmal auch eine Qual". Für ihn sei Schach eine Abwechslung zum sonstigen Unterricht. "Viele Mitschüler habe ich beim Schach von einer neuen Seite her kennen gelernt".
Ein Schülertypus, der nicht gerne Schach spiele, könne als solcher zwar nicht definiert werden, sagt Obermatt. "Es sind häufig Schüler, die im Bereich Selbstvertrauen noch viel tun müssen." Das bedeute nicht, laute Schüler immer die besten Schachspieler seien. Einer seiner Schüler beispielsweise, der sonst immer den Mund offen hatte, sei nach einem Schachspiel oftmals still. "Das Schachspiel erzieht die Schüler von alleine", sagt Obermatt.